Die

Ernte

Viel Arbeit für
guten Kakao

Kakaoernte ist Handarbeit

Bis die Kakaobohnen verkauft werden können, ist viel Arbeit zu leisten. Häufig fehlt es den kleinbäuerlichen Betrieben an Geld für zusätzliche Arbeitskräfte. Dann müssen bei der Ernte auch die Kinder mithelfen.

Die Ernte in sechs Arbeitsschritten

Schritt 1
Zweimal im Jahr wird der Kakao geerntet. Die reifen Kakaofrüchte werden mit einem Messer oder einer Machete geschickt vom Stamm gelöst.
Schritt 2
Die Kakaofrüchte werden zur Sammelstelle transportiert.
Eine Frucht wiegt bis zu 1 Kilo, da kommt einiges an Gewicht zusammen.
Schritt 3
Die Kakaofrüchte werden am besten mit einem Holz aufgeschlagen, damit die Bohnen im Inneren nicht beschädigt werden. Die Kakaobohnen sind von Fruchtfleisch umhüllt. Jede Kakaofrucht enthält zwischen 25 und 50 Bohnen.
Schritt 4
Zum Fermentieren (Gären) werden die Kakaobohnen mitsamt dem Fruchtfleisch auf Bananenblätter geschüttet und dann mit Bananenblättern zugedeckt.
Schritt 5
Im Verlauf der Fermentation (Gärung) zersetzt sich das Fruchtfleisch. Die entstehende Wärme spielt dabei eine wichtige Rolle. Die Bohnen erhalten ihr typisches Kakaoaroma und ihre dunkle, braune Farbe.
Schritt 6
Nach zwei bis sieben Tagen ist das Fruchtfleisch vergoren. Jetzt müssen die braunen Kakaobohnen noch mehrere Tage in der Sonne trocknen.
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Im Durchschnitt werden in Westafrika 400 Kilo Kakaobohnen pro Hektar im Jahr geerntet. Mit guten Anbaumethoden lassen sich bis zu 800 Kilo pro Hektar erreichen.

„Wenn die Einkommen der Eltern ausreichen würden, ihre Familie zu ernähren, müsste kein Kind mehr in Kakaoplantagen schuften.“

Bundesentwicklungsminister
Dr. Gerd Müller

Lokale Märkte

Arbeitsplätze und Einkommen durch Kakaoverarbeitung

Der größte Teil des Kakaos wird nicht dort weiterverarbeitet, wo er angebaut wird, sondern in Europa und den USA. Côte d’Ivoire (Elfenbeinküste) ist eine Ausnahme. Das Land hat bereits große Kapazitäten zur Vermahlung von Kakaobohnen aufgebaut. Ein staatliches Programm sieht vor, den Anteil des Kakaos, der im Land vermahlen wird, auf 50 Prozent anzuheben. Dennoch wird auch der vermahlene Kakao exportiert. 

Erst sehr wenige Unternehmer haben begonnen, Schokoladenprodukte für den heimischen Markt herzustellen. Die industrielle Herstellung von Schokolade in Westafrika bleibt eine Herausforderung. Hohe Investitionen für Maschinen, kaum ausgebildetes Personal vor Ort und unsichere Stromversorgung sind nur einige Hinder­nisse. Dennoch gibt es erste erfolgreiche Beispiele in Côte d’Ivoire und in Ghana.

„Ich mache meine Schokolade für die Ivorer“

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Dana Mroueh ist sicher: „Wenn wir den Kakao hier verarbeiten, dann schaffen wir auch einen Mehrwert. Wir haben so viele gute Dinge in unserem Land.“ Ihre Schokolade würzt Dana gern mit Ingwer oder Chili. Und praktisch alles macht sie von Hand, auch das Verpacken. Nur zum Zerkleinern der Bohnen tritt sie in die Pedale.

„Wir haben Kakao in den Genen“

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Axel Emmanuel Gbaou hat eine Ausbildung zum Chocolatier gemacht, und er ist überzeugt: „Wir Ivorer müssen in die Rohstoffe sowie in die Ausbildung der Bauern investieren. Wir machen das mit unserem Unternehmen, jetzt müssen uns nur noch die anderen folgen.“

„Wir müssen im Land investieren“

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„Wir haben einen enormen Markt“, sagt André Braud-Mensah. „Wir müssen in die Verarbeitung investieren, dann haben wir Endprodukte, die wir auch selber konsumieren können.“

Video

Dana Mroueh, Axel Emmanuel Gbaou und André Braud-Mensah im Interview

Schokolade aus...

Ghana

Seit 2016 produziert ein deutsches Start-­up-­Unternehmen Schokolade in Ghana. Mit der Verarbeitung der Kakaobohnen zu Schokolade schafft es dort Arbeitsplätze und damit zusätzliches Einkommen. Die Bäuerinnen und Bauern erhalten von ihm höhere Preise für ihren Kakao und eine zusätzliche Prämie.

Kamerun

In Kamerun ist der Kakaopreis niedrig, er liegt noch unter dem Weltmarktpreis. Indem vier Kooperativen einen Teil ihrer Kakaobohnen selbst zu Kakaobutter und Kakaopulver verarbeiten, können sie bessere Preise erzielen. Knapp 30 Euro bekommen sie für ein Kilo Kakaobutter, 4,50 Euro für ein Kilo Kakaopulver. Im Durchschnitt eine Tonne Kakaobohnen verarbeiten sie so. Abnehmer sind Supermärkte, Caterer und Privatpersonen. Darüber hinaus gibt es von anderen erste Geschäftsideen, Kakaobohnen zu karamellisieren oder Kakao auch für Kuchen und Torten und in Süßigkeiten zu verwenden.

Warum gibt es Kinderarbeit?

Die Situation

1,56 Millionen Kinder

zwischen 5 und 17 Jahren gehen in Côte d’Ivoire und Ghana missbräuchlicher Kinderarbeit in der Landwirtschaft nach.

Armut ist die Hauptursache der Kinderarbeit im Kakaoanbau. Kakao ist die wichtigste Einnahmequelle der Kleinbauernfamilien. Doch das Einkommen genügt häufig nicht einmal für ein einfaches Leben. Seit Jahren ist der Kakaopreis niedrig, weitere Einkommensquellen fehlen. So fehlt es auch an Geld, um erwachsene Arbeitskräfte zu bezahlen. Kinderarbeit ist die Folge.

Nach wie vor werden auch Kinder aus dem noch ärmeren Nachbarstaat Burkina Faso verschleppt und als Arbeitskräfte im Kakaoanbau eingesetzt.

Trotz aller Bemühungen der Regierungen in den Anbauländern, fehlt es oft an Kontrolle und konsequenter Anwendung der Gesetze.

Helfen Kinder bei der Ernte mit, sammeln sie etwa Kakaofrüchte auf, ist das keine ausbeuterische Kinderarbeit. Entscheidend ist, dass die Kinder zur Schule gehen können und dass die Tätigkeiten ihrem Alter entsprechen.

Missbräuchliche Kinderarbeit ist...

gefährlich:

gesundheitsschädlich:

Das Wichtigste ist ein existenzsicherndes Einkommen für die Kleinbauernfamilien. Höhere Kakaopreise, eine bessere landwirtschaftliche Ausbildung und die wirtschaftliche und soziale Stärkung der Frauen helfen dabei.

Die Aufklärung über die Gefahren sowie die Überwachung möglicher Kinderarbeit und Gegenmaßnahmen direkt vor Ort sind ebenso notwendig. Dafür hat die International Cocoa Initiative (ICI) ein Kontrollsystem geschaffen. Es arbeitet mit geschulten Vertrauenspersonen in den Gemeinden, die bei Verstößen aktiv werden. Etliche Schokoladenhersteller und ein Kakaovermahler nutzen bereits dieses Kontrollsystem.

„Um den Kindern helfen zu können, ist es notwendig, auch die Lebensbedingungen der Mütter zu verbessern.“

Mme. Dominique Ouattara, Gattin des ivorischen Präsidenten Alassane Ouattara und Präsidentin der Organisation Children of Africa

Kinderarbeit abschaffen

Es ist noch viel zu tun

Das Mindestalter für die Beschäftigung von Kindern ist geregelt. Ebenso das Verbot von und Maßnahmen gegen die schlimmsten Formen von Kinderarbeit (Konventionen 138 und 182 der Internationalen Arbeitsorganisation ILO). Fast alle Staaten haben diese ILO-Übereinkommen unterzeichnet, auch Côte d’Ivoire.

Missbräuchliche Kinderarbeit wird in Côte d’Ivoire strafrechtlich verfolgt. Für alle Kinder ab sechs Jahren gilt die Schulpflicht. Darauf weisen Aufklärungskampagnen hin. Zudem hat Côte d’Ivoire Abkommen gegen Kinderhandel mit seinen Nachbarstaaten abgeschlossen. Bislang zeigen diese Maßnahmen allerdings wenig Erfolg.
Plakat gegen Kinderarbeit
NEIN zu Kinderarbeit:
In Côte d’Ivoire sensibilisieren Großplakate die Menschen für das Thema.

Wege aus der Kinderarbeit: ein Beispiel

Es gibt verschiedene Initiativen der Wirtschaft gegen Kinderarbeit. Ein Beispiel aus Côte d’Ivoire und Ghana: Hier gehen Regierungen, Kakaoverarbeiter und Schokoladenhersteller seit 2007 in der Internationalen Kakaoinitiative (ICI) gemeinsam gegen missbräuchliche Kinderarbeit vor. Unter anderem mit einem Projekt zur Kontrolle und Abschaffung von Kinderarbeit. Bislang wurden durch dieses Kontrollsystem über 700.000 Kinder in 656 Gemeinden erfasst und mehr als 4.000 Fälle von Kinderarbeit aufgedeckt. Mit den jeweiligen Gemeinden und örtlichen Institutionen wird etwas gegen diese Fälle getan. Zudem wird die Entwicklung der betroffenen Kinder weiter beobachtet, damit die Maßnahme keine Eintagsfliege bleibt. Ein großer Schokoladenhersteller hat dieses CLMRS*-Programm mitentwickelt und führte es in den Bauernkooperativen ein, mit denen er zusammenarbeitet. Weitere Unternehmen haben das CLMRS-Programm ebenfalls übernommen.

*Child Labour Monitoring and Remediation System – System zur Überwachung und Abschaffung von Kinderarbeit